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Gesundheitsfördernde Unterrichtsformen?

Gibt es Unterrichtsformen, die von ihrer Art her gesundheitsfördernder sind als andere? Welche Rolle spielt die Art des Unterrichts für die Gesundheit von Lehrern und Schülern? Wie hängt das mit den anderen Faktoren zusammen?

Als Beispiel möchte ich hier die Unterrichtsform des Service Learning (oder synonym: Lernen durch Engagement) vorstellen. Dabei handelt es sich um eine in Projektarbeit organisierte Form des Arbeitens und Lernens, die gesellschaftliches Engagement und Verantwortungsübernahme von Schülern und Schülerinnen mit konkreten Erfahrungen in der Arbeitswelt und fachlichem Lernen im Unterricht verbindet. Die Schüler entwickeln, planen und setzen Projekte mit außerschulischen Partnern selbständig und eigenverantwortlich um.

Die Freie Montessorischule Landau (MSL) geht einen bisher einmaligen Weg: Hier ist Service Learning verpflichtender Bestandteil des Unterrichts in der Oberstufe – fachübergreifend angelegt und mit dem Zeitbudget eines kompletten Schultags (7 Stunden) pro Woche ausgestattet. Hier stehen die individuellen Ideen der Schüler und Schülerinnen im Mittelpunkt. Jeder Schüler sucht sich bzw. entwickelt sein Projekt selbst. Auch die Arbeitsform (Einzeln, Team) wählen die Schüler selbst nach ihren Vorlieben und nach den Erfordernissen des Projektes.

Bei der Projektfindung sind die eigenen Interessen, die individuellen Stärken, persönliche Lernziele in Bezug auf die angestrebte Berufswahl und bereits vorhandene Kenntnisse über konkreten und realen Bedarf der Ausgangspunkt. Im Rahmen von Einführungsworkshops erarbeitet sich jeder Schüler diese Bereiche und entwickelt auf dieser Basis erste Projektideen. Um diesen Prozess zu reflektieren und zu dokumentieren stehen selbst entwickelte Arbeitshilfen zur Verfügung.

Die Auswahl eines für den einzelnen Schüler geeigneten Projektes ist ein Verhandlungs- und Abstimmungsprozess ganz unterschiedlicher Anforderungen und Bedürfnisse – so wie es im beruflichen Alltag an der Tagesordnung ist. Am Schluss wiegen die Schüler die verschiedenen Ansprüche und Ideen gegeneinander ab und treffen eine Entscheidung – eine optimale Balance. Auch hier kann das Innere Team wieder helfen!

Die Lehrkräfte verstehen sich in erste Linie als Projekt-Coaches. Sie stehen den Schülerinnen und Schülern wie „Unternehmensberater“ zur Verfügung. Ihre Aufgabe ist es nicht, die Projekte selbst zum Laufen zu bringen, sondern die richtigen Fragen zu stellen, so dass die Schüler ihre eigenen Kompetenzen entfalten können („Empowernment“).

Derzeit entwickle ich ein Projekt, um das Thema Gesundheit von Lehrer*innen und Schüler*innen mit Service Learning / Lernen durch Engagement zu verbinden. Meine Ansatzpunkte hierfür sind:

  • SL als gesundheitsfördernde Unterrichtsform (für Lehrer und Schüler)
  • SL als gesundheitsfördernder Beitrag zur Schulentwicklung
  • Zusätzliche Belastungen durch besonderes Engagement beispielsweise bei der SL-Einführung als Anforderung an den einzelnen und die Schule
  • SL-Projekte mit Gesundheitsthemen z.B. Prävention, Achtsamkeit, Stressbewältigung)

Um zu erfahren, wie Sie in Ihrem jeweiligen Bereich die Bedeutung dieser Ansatzpunkte einschätzen, habe ich einen Fragebogen entwickelt. Wenn Sie an der Umfrage teilnehmen möchten, können Sie hier die burnout-hilfe-lehrer-umfrage herunterladen und mir ausgefüllt als scan oder per Post schicken. Vielen Dank!

 

 

Inneres Chaos zu innerer Stärke machen

Die ständig laufende Auseinandersetzung zwischen inneren und äußeren Ansprüchen im Beruf kann im besten Falle produktiv und potentialentfaltend wirken, durch diese Situation entstehen aber auch besondere Belastungen. Gerade Lehrer erleben es häufig, dass die verfügbaren Ressourcen nicht ausreichen und sie psychisch krank werden. Dabei gerät das Verhältnis zwischen der eigenen Identität und der Identifikation mit dem Beruf aus der Balance (vgl. Freiburger Schulstudie / Joachim Bauer / 2004, Potsdamer Lehrerstudie / Uwe Schaarschmidt / 2006).

Die Vielfalt dieser oder vergleichbarer Arbeitszusammenhänge spiegelt sich – wenn man es so sehen will – in der inneren Dynamik der betreffenden Menschen wieder. Daher scheinen Teile-Modelle eine ideale Grundlage für spezifische Unterstützungsangebote zu sein. Vielleicht kennen Sie ja schon die Modelle des „Inneren Teams“ oder der „Inneren Familie“.

Was wir in jeden Fall sehr gut kennen, das sind die kritischen und die antreibenden inneren Stimmen und die mit ihnen einher gehenden Verhaltensweisen. Oft werden sie als innere Widersacher und Störer empfunden, wenn es nicht gelingt, Ziele umzusetzen, den inneren Schweinhund zu überwinden und aktiv zu werden. Unsere Stärken und Erfolge zu nennen, fällt uns dagegen oftmals schwerer – obwohl es sie gibt!

Durch die Sichtweise der „inneren Vielfalt“ können wir uns den unterschiedlichen und oft auch widersprüchlichen Persönlichkeitsanteilen konstruktiv nähern und die in ihnen liegenden Fähigkeiten und Kompetenzen für unsere Ziele nutzen. So wird das Modell des „Inneren Teams“ praktisch und konkret erarbeitet und mit verschiedenen Methoden individuell an den eigenen Themen umgesetzt.

Auf der Teile-Therapie-Tagung im November 2018 stelle ich Erfahrungen, Strategien und Methoden einer hypno-systemisch orientierten therapeutischen Arbeit mit Schwerpunkt Teilearbeit für psychisch krank gewordene Menschen in pädagogischen Handlungsfeldern vor und biete praktische Einzel- und Gruppenübungen an. Schwerpunkt wird dabei auf dem Übergangsbereich zwischen Therapie und Supervision / Coaching liegen.